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Eine meiner traurigsten Beerdigungen…

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Eine meiner traurigsten Beerdigungen…
Heute hat mein Opa Geburtstag.
96 wäre er geworden.
Letztes Jahr ist er verstorben.
In einer Zeit, wo die Welt durch Corona einmal wie ein 1000 Teile Puzzle ordentlich durchgerüttelt wurde…
Ein paar wichtige Teile wie Nächstenliebe, Freiheit und Respekt scheinen dabei irgendwo in einer Sofaritze verschwunden zu sein…

Die Beerdigung hätte wundervoll werden sollen. Mit Live Gesang, einem kompletten Gottesdienst in der schönsten Dorfkirche der Welt und einer kurzen Rede von mir.
Opa hat mich unglaublich geprägt mit seinem Schwäbisch und Bulldog fahren auf der Schafweide mit 10. Für alle war er immer da.
Es gab vermutlich kein Haus in der Gegend, an dem er nicht mitgeholfen hatte….
Doch statt die Beerdigung von Opa würdevoll zu gestalten, standen wir alle zerrissen am Grab. Keiner wusste wie er sich verhalten sollte. Ich konnte nicht einmal meine Mama in den Arm nehmen.
Der Pfarrer kam zum Grab, sprach ein kurzes Gebet… Kein persönliches Wort über diesen großartigen Menschen, welcher ganz vorne seinen Platz in der Urne eingenommen hatte. Und das, obwohl er meinen Opa aus unzähligen Gottesdiensten und Hausbesuchen Jahre lang kannte.
Der Bestatter sah unglaublich ungepflegt aus und stand deutlich gezeichnet von seinem Desinteresse am Grab.
Nach dem Gebet, Urne rein und fertig….

Mein Herz brach in 1000 Teile. Nicht nur, weil wir gerade Opa beerdigt haben, sondern weil diese „Beerdigung“ das reinste Trauerspiel war. Ich weinte bitterlich. Schaute nach oben, weil ich den Anblick des ungeduldigen Bestatters nicht mehr ertragen konnte.
Und da waren sie, zwei Milan kreisten weit oben über uns.
Das war er also, mein Licht Punkt in diesem so finsteren Moment. In meiner Vorstellung waren es Oma & Opa wieder vereint.
Das war meine mentale Rettung.
Nach der Beisetzung zog es mich immer und immer wieder zurück zum Grab.
Immer wieder kehrte ich zurück mit dem inneren Gedanken, dass kann es doch noch nicht gewesen sein. So einen Abschied hat mein Opa einfach nicht verdient.
Über 300 Verstorbenen konnte ich einen würdevollen Abschied mit Liebe gestalten. Und bei dem Menschen, der mir doch so am Herzen lag, konnte ich es nicht….
Noch ein Jahr danach nagt es an mir. Es zerreißt mich immer noch, weil man so einen Abschied schließlich niemals mehr wiederholen kann. Umso mehr kämpfe ich für mehr Würde, Liebe und Licht auf dem Friedhof. Wir haben nur diese eine Chance…. Lasst uns diese mit Liebe, Leben und Trauer füllen.
Denn dafür schlägt mein Herz.
Irina

PS: Alles Liebe in den Himmel und bitte entschuldige für diese „Sache“ am Grab…

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