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Ein weißes Blatt Papier

November… In dieser Novemberwoche darf ich vier Abschiede begleiten.
Zwei davon waren allein am heutigen Tag.
Zwei wundervolle Menschen, an zwei völlig unterschiedlichen Orten, an denen ich die Trauerrede halten durfte. Beide sind zufällig Berufssoldaten gewesen. Beim Abschied ertönte „Ich hatt‘ einen Kameraden“ auf der Trompete und rührte alle zu Tränen.

Als ich auf dem Hauptfriedhof in Ulm von der Begleitung zum Grab wieder zurück zum Auto lief, fiel mir dieses wunderbare Kunstwerk auf.
Eine Frau mit Stift vor einer leeren Tafel. Sie erinnerte mich so sehr an die Anfänge jedes Trauerfalls, welchen ich begleiten darf. Denn zu Beginn treffe ich mich zum Trauergespräch mit den Angehörigen und jeder Verstorbene ich zunächst ein leeres Blatt Papier. Gleich dieser ungeschriebenen Tafel. Das leere Blatt Papier, welches vor mir liegt, wird durch die Angehörigen mit purem Leben und unermesslicher Liebe gefüllt. Mit unvergesslichen Erinnerungen und Geschichten des geliebten verstorbenen Menschen.
Nach dem rührenden Gespräch entsteht mein Redenswerk.
Durch die Angehörigen darf ich noch all die wundervollen Seelen kennen lernen, welche ich leider auf dieser Welt niemals mehr persönlich treffen werde. Das ist ein wirklich großes Geschenk, welches ich mit tiefer Dankbarkeit annehme.
Denn ich begleite euch mit meinen Redensweken in allen Lebenslagen. Es findet seit einiger Zeit ein enormer Wandel in dem Bestattungswesen statt, welchen ich voller Stolz mitgestalten darf. Keine unpersönlichen, lieblosen Abschiede mehr! Wir feiern das Leben! Denn der Tod darf niemals das Ende sein.

Denn dafür schlägt mein Herz.

Ein Gedanke zu „Ein weißes Blatt Papier

  1. Dankeschön Liebe Irina,
    für das schöne Redenswerk zum letzen Abschied meines Vater’s.
    Ich durfte miterleben wie aus einem weißen Blatt Papier eine sehr empathische und wunderschöne Rede entstand.
    Durch die sympathische Art und Weise wie du den Menschen begegnest fühlten wir uns alle von Anfang an in guten Händen

    Danke
    Frank

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