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Keine Zeit für Trauer

Diese Woche durfte ich einen wundervollen Abschied gestalten, der so hätte gar nicht stattfinden sollen.

Denn eigentlich war eine ganz kurze Rede, nur das aller Nötigste geplant in einem winzigen Abschiedsraum.
Begleitung zum Grab? Kann man machen, muss man aber nicht. Das Trauergespräch fand am Telefon statt.
Doch beim Gespräch merkte ich einfach, das so ein Trauerfeiersprint nicht das Richtige für die Angehörigen war. Und schon gar nicht für den Verstorbenen. Denn diese wunderbare Seele, welche ich begleiten durfte, war so kunterbunt, auf seine eigene einzigartige Art besonders. Das Ganze wäre ihr einfach nicht würdig gewesen. Natürlich will ich mich nicht in die Entscheidungen einmischen, irgendwas aufschwatzen. Doch irgendwie fühlte es sich nicht richtig an. Im Laufe unseres Gesprächs hörte ich klar und deutlich ,,wenn wir nur mehr Zeit hätten“ heraus. Ich fing an zu umschreiben wie denn eine ,,normale“ Trauerfeier mit mir aussehen könnte. Da war es um ihn geschehen. Wie Musik abspielen? Ich selbst darf die Urne zur letzten Ruhestätte tragen? Rosenblüten als einen letzten liebevollen Gruß am Grab? Machen wir! Denn das eigentlich alles möglich ist, das wusste er nicht. Woher auch? Noch nie zuvor wurde mein Gesprächspartner am Telefon, mit dem ich eigentlich nur ein paar Minuten Trauergespräch halten sollte, mit dem Tod auf diese Art und Weise konfrontiert.
Meist sind die Angehörigen mit dem Todesfall einfach überfordert. Selbst das größte Organisationstalent verliert in der Dunkelheit der Trauer leicht den Überblick.

So hatten wir alle gemeinsam eine schöne Feier. Jeder konnte in der größeren Halle Platz nehmen und sich würdevoll vom Verstorbenen verabschieden. Die Angehörigen sagten auch, es wäre mehr als schade gewesen, wenn wir das so nicht gemacht hätten.

Sich genug Zeit für einen Abschied zu nehmen ist sehr wichtig, finde ich. Doch in der heutigen Zeit, in der alles nur so an einem vorbeisaust, ist es meist nicht mehr selbstverständlich. Man hat einfach keine Zeit mehr. Für nichts. Sogar nicht mal mehr für den Tod.
Die Trauerfeier findet manchmal Wochen später nach dem Tod des geliebten Menschen statt. Es soll schließlich jeder Zeit haben. Und es ist schwieriger denn je geworden, einen passenden Termin für alle zu finden. Am liebsten an einem Tag, an dem sich keiner freinehmen muss.
Es bleibt einfach keine Zeit mehr für Trauer.
Ich hatte auch den Fall, dass der Lebensgefährte kurz vor der Trauerfeier zu mir sagte, hoffentlich geht das alles schnell vorbei.
Nach der Trauerfeier kam er auf mich zu und sagte, er hätte mir stundenlang zuhören können. Jeder hat einen würdevollen Abschied verdient, eine letzte schöne Feier. Eine Feier, für die man sich eben Zeit nimmt. Denn dafür schlägt mein Herz.
Redenswerk

2 Gedanken zu „Keine Zeit für Trauer

  1. Wie wunderbar, dass Du Dich bei Deinen Aufgaben so individuell auf die jeweilige Situation und die jeweiligen Menschen einstellst. Wie wunderbar, dass Du so emphatisch bist, zu spüren, was die Menschen brauchen. Wie wunderbar, dass Du Deine Arbeit so liebst. Wie wunderbar, dass Du am richtigen Platz bist.
    Liebe Grüße
    Ralph

    1. Ich danke danke danke dir für deine lieben Worte! Unglaublich schön, dass man merkt wie sehr ich mein Redenswerk lebe und liebe.
      Nah am Menschen zu sein war mir schon immer ein Anliegen und nun darf ich so etwas Wunderbares tun und sie in allen Lebenslagen begleiten. Könnte platzen vor Glück!

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